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Eine Gro▀stadtkatze am Land

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Freitag, 13.04.2018, 21:25

Der Samstagnachmittag ist für Waldemar Piepschnabel-Eschenwalde, der Tag an dem er sich im schönsten Nachmittagsausgehrock und gestylten Kopffedern in der Stadt zeigt. Er ist einer der Reichsten der Gemeinde, besitzt eine große Voliere samt angrenzendem Wald in der Vogelgemeinde Eschenwalde und bekleidet auch das ehrenvolle Amt des Obervogelmeisters. So spaziert er stolz mit seinem Gehstock die Flaniermeile entlang. Wie jeden Samstagnachmittag tummelt sich hier die Schickeria von Eschenwalde und Umgebung. Es ist ein sonniger Nachmittag und alle Lokale sind voll besetzt. Die Herren sitzen, sich über die neuesten Flugmodelle unterhaltend, bei einem Glas Hopfen- oder Traubensaft, während die Vogelmädchen die neuesten Modellkleider und -schuhe in den Boutiquen unter Augenschein nehmen. Lautes ausgelassenes Gehüpfe, Gefliege und Gezwitschere. Mitten durch das Getümmel stolziert erhobenen Hauptes Waldemar Piepschnabel-Eschenwalde. Herr Waldemar ist jedoch nicht nur um des Gesehen Werdens in die Stadt gekommen, er ist auch schon des längeren auf Brautschau. In seiner Voliere fühlt er sich trotz Personal etwas einsam. Weibliches Gezwitschere fehlt ihm und er findet seine Voliere viel zu aufgeräumt, nichts steht herum, keine Kräuterschale hier und kein getrocknetes Blumensträußchen dort. Auch in seinem Vogelband ist noch viel Platz für Tübchen, Cremedöschen, Duftfläschchen und rosa Federfärbepasta. Während er in Gedanken versunken bei einem Blumengeschäft in die Auslage starrt, sieht er in der Spiegelung des Fensterglases ein Mädchen mit wunderbaren rosa Brustfedern und der tollsten Gimpelfigur vorbeigehen. Er ist wie paralysiert. Das ist sie, denkt er sich, das ist meine Traumfrau. Er eilt in das Blumengeschäft und holt eine Duftbecherglockenblume, eine sehr seltene Wiesenblume, die hinter dem Geschäft von Herrn Blumenkorn gezüchtet wird. Das hübsche Gimpelmädchen hat sich mittlerweile im Eissalon „Naschamsel“ niedergelassen und schnäbelt an einem Erdbeereis. Er verneigt sich kurz, ihr die Blume hinreichend, und bittet Platz nehmen zu dürfen. Josefine Freifräulein von der Vogelwiese, so heißt das Gimpelmädchen, ist sehr erstaunt über so viel Etikette, zu viel denkt sie, aber nickt ihm freundlich auffordernd zu. Josy, so nennen sie alle, stammt aus einem verarmten Adelszweig. Die Familie „von der Vogelwiese“ besitzt nur noch den Namen, ansonsten wohnen sie in einer Vogelkolonie, die an die große Blumenwiese angrenzt. Beide kommen ins Gespräch und Waldemar Piepschnabel-Eschenwalde ist äußerst erfreut über die Zwitscherfreude und ihre ungezwungene Art und Wortwahl. Während Josy ohne Punkt und Komma ihm sein Leben vorzwitschert, sieht Herr Waldemar sie schon vor seinem geistigen Auge seine Voliere mit rosaroten Schälchen, Blümchen und Pölsterchen schmücken und mit ihrem lustigen Gezwitschere über die neueste Mode seinem Personal, das die Ruhe gewohnt war, auf die Nerven gehen.


Mittwoch, 11.04.2018, 09:50

Das kleine rosarote Kalb Rosalinde, dem es auf der heimischen Wiese zu langweilig geworden war, machte sich auf den Weg in die weite Welt auf die Suche nach Abenteuern. Sie kam an einem, in der Sonne glitzernden Teich vorbei, indem eine dicke Ente schwamm. Die Ente, sichtlich erstaunt über ein rosa Kalb, denn so jemanden hatte sie noch nie gesehen, schnabelte frech entgegen und meinte, wohin es wohl gehen möge. Das Kälbchen meinte nur, dass es was erleben möchte und deshalb sich einfach auf den Weg gemacht hätte und wohin, das wisse es selber nicht genau. Das dicke Entlein, dem der Teich auch schon etwas zu kleinkrämerisch geworden war, hüpfte aus dem Teich und watschelte hinter dem Kälbchen her. Rosalinde war sichtlich erfreut über ihre Weggenossin, so hatte sie etwas Unterhaltung, denn Mimi so hieß die Ente, war ein sehr gesprächiges Mädchen und schnabelte den ganzen Tag. Rosalinde machte das nichts aus, denn über Enten wusste sie bislang kaum etwas. Während Rosalinde und Mimi so des Weges schlenderten, hörten sie von oben lautes Gezwitscher. Ein rundliches Vögelchen aus der Gattung Blaufeder rief ihnen sichtlich verwundert über das ungewöhnliche Gespann neckisch zu. Es wollte wissen, was denn die beiden Weg Kumpanen hier her verschlagen hätte. Mimi schnabelte fröhlich darauf los und erklärte dem Vögelchen ihr Vorhaben. Rosalinde blieb nichts anderes übrig als freundlich dazu zu nicken. Das Vögelchen, dessen weitester Flug zum Mückenfrühstück auf den nahe gelegenen Teich war, beschloss die beiden zu begleiten. Max so hieß er, war etwas Flug faul und genehmigte sich bisweilen eine kleine Rast auf dem Rücken von Rosalinde. Manchmal setzte sich auch Mimi neben Max auf ihren Rücken, einfach um ihn besser hören zu können, meinte sie. Rosalinde wusste jedoch, dass Mimi etwas eifersüchtig auf Max war, der sie frech so einfach in Beschlag nahm. Auf einer herrlich duftenden Blumenwiese machte Rosalinde mit ihren Wegbegleitern Rast. Mimi und Max suchten nach Würmern und Rosalinde pflückte sich zum Verspeisen die herrlichsten Blumen. Auf einer blauen Glockenblume, sie wollte sie gerade pflücken, saß ein Schmetterling, der heftig mit den Flügeln fuchtelnd Rosalinde auf sich aufmerksam zu machen versuchte. Das Flügelschlagen kitzelte Rosalinde so heftig in der Nase, dass sie unwillkürlich niesen musste. Der kleine Schmetterling wurde vom Luftstoß in die Höhe geschleudert und landete etwas unsanft auf Rosalindes Nase. Schielend blickte Rosalinde auf das bunte Ding, das sich etwas verwirrt vorstellte und meinte, dass sie Elfie heiße und hier wohne und was denn die Drei auf ihrer Wiese zu suchen hätten. Rosalinde erklärte Elfie ihr Vorhaben und meinte, ob sie denn mitkommen möchte, denn auf ihrem Rücken wäre noch ein Plätzchen frei. Elfie, die noch nie in der großen Stadt gewesen war, alleine wäre es für sie zu gefährlich, beschloss, mitzukommen. Bremen heißt die Stadt und dort wollte sie schon immer mal hin, meinte sie. So wanderten die Vier weiter in die große Stadt. Als sie am Stadtplatz angekommen waren, waren sie sichtlich erstaunt, als sie eine in Bronze gegossene Vierergesellschaft, vorfanden. Sie lasen, dass diese die Bremer Stadtmusikanten genannt werden. Das gefiel ihnen sehr gut, denn sie waren ja auch vier. So hüpfte Max auf den Rücken von Mimi, die bereits auf dem Rücken von Rosalinde saß und Elfie flog auf den Rücken von Max. Da Max sich aber nicht gerade auf Mimi setzen konnte, denn sie streckte ihr Schwänzlein gar so stolz in die Höhe, musste er sich leider etwas seitlich festhalten und so setzte sich Elfie auf die Schwanzfedern von Max. Sie sahen eher aus wie der schiefe Turm von Pisa, jedoch furchtlos wie sie waren, balancierten sie ihre Schieflage gut aus. Passanten, die Rosalinde, Mimi, Max und Elfie beobachtet hatten, klatschten erfreut in ihre Hände und einige machten schnell ein Selfie mit den Vieren und den Bremer Stadtmusikanten, neben diesen sie Aufstellung genommen hatten. Sie erregten so viel Aufmerksamkeit, dass der Bürgermeister beschloss, die vier in die Annalen der Stadtchronik von Bremen als weiteres Vierergespann aufzunehmen. Wer es nicht glaubt, kann es jederzeit in einem großen Buch, das beim Bürgermeister von Bremen in der Schreibtischlade wohl verwahrt liegt, unter Vierergespann Nummer zweihunderttausendachthunderteinundneunzig nachlesen.


Mittwoch, 11.04.2018, 09:24

In dem schönen Nordseestädtchen Lübeck wohnt Arndt. Er ist Innenarchitekt und nennt sich Monsieur Arndt le ensemblier, weil sich das viel stylischer anhört und bei seinen Kunden, die meisten gehören zu der oberen Möwengesellschaft, für Anerkennung und Respekt sorgt. Sein Credo, Farben sind nur Ablenkung vom Wesentlichen. So richtet er die Appartements hautsächlich in schwarz und weiß ein. Nur manchmal lässt er sich dazu hinreißen, wenn es architektonisch nicht anders möglich ist, auch einmal grau zu verwenden. Er hat viele Kunden, denn schwarzweiß liegt derzeit im Trend und gilt als das absolute Must in der High Society. Wer etwas von sich hält, geht mit seinen Wünschen zu Arndt. Arndt selbst stammt aus einer Großfamilie, in der es immer sehr turbulent zuging. Er hat fünf Geschwister, alles Mädchen, die, so wie halt Mädchen einfach sind, sich gerne mit den buntesten Farben umgeben. Ganz besonders rosa war in ihrer Behausung ganz stark vertreten. Darum ist für Arndt die Farbe rosa ein absoluter Gräuel. Selbst beim Essen verzichtet er auf Farbe. Am Liebsten isst er Tintenfischlinguine mit Sahnesauce, darüber etwas Parmesan. Wenn er Obst isst, besorgt er sich entweder Liechti, oder geschälten Apfel und Birne. Er verwendet nur Weißbrötchen, auch wenn sie nicht wirklich weiß sind, aber über diesen Makel sieht er hinweg, Hauptsache sie heißen so. Er badet gerne im Meer, um sich anschließend von der Sonne trocknen zu lassen, denn Salz und Sonne bleichen und er will, dass sein Gefieder ganz weiß ist. Seine Beine und Krallen pflegt er mehrmals täglich mit Tintenfischsalbe, um sie schwärzer und glänzender aussehen zu lassen. Sein Appartement ist selbstverständlich nur in Schwarz und Weiß gehalten. Er bedauert es sehr, dass er nicht in Florida leben kann, denn in Sarasota, das hat er gelesen, gibt es absolut weißen Sand. Der soll so weiß sein, dass er auch bei der ärgsten Hitze sich immer noch kühl anfühlt. Manchmal hadert er sehr mit seinem Schicksal hier in Lübeck aus dem Ei geschlüpft zu sein. Natürlich trägt er ständig eine ganz dunkle Sonnenbrille, auch des Nachts, denn die Farben würden sonst sein stylisches Auge beleidigen. Manchmal, wenn ihm sein Essen sozusagen beim Schnabel heraushängt, denn so viele Speisen in Schwarzweiß gibt es dann doch nicht, wagt er sich in ein ganz besonderes Lokal, denn dort isst man im Dunklen. Wenn er es nicht sehen muss, den Kompromiss geht er ein, schmecken ihm die Speisen vorzüglich. Heute ist wieder so ein Tag, an dem ihm kochtechnisch nichts mehr Kreatives einfällt. Er beschließt das Lokal „Dunkelkammer“ aufzusuchen, um dort das Abendmahl einzunehmen. Dort trifft sich auch die High Society von Lübeck und Umgebung und vielleicht kann er da noch nebenbei ein paar Geschäfte lukrieren. Er cremt seine Beine und Krallen mit Tintenfischcreme, setzt seine Sonnenbrille auf und macht sich auf den Weg. Schon beim Betreten des Lokals fühlt er sich ganz in seinem Element, endlich keine Farben mehr. Er wird von einer freundlichen Bedienung zum Tisch geführt, an dem offensichtlich schon eine weitere Dunkelesserin sitzt, denn sie begrüßt ihn mit einem freundlichen „moin, moin“, mit englischem Akzent. Was serviert wird, ist natürlich eine Überraschung und wird nicht mitgeteilt, denn das ist auch der Sinn der Sache. Die freundliche Kellnerin bringt gleich ein Getränk und stellt die Vorspeise ein. Bevor er zu essen beginnt, stellt er sich selbstverständlich, weil es sich so gehört und weil sie möglicherweise an einer Umgestaltung ihres Appartements interessiert sein könnte, vor. „Arndt le ensemblier, Innenarchitekt“. „Abigail, Tourist Guide, Reiseführerin, aus Amerika, antwortet sie in ihrem schönsten deutsch mit amerikanischen Slang“. „Darf ich sie fragen woher genau Sie kommen“, frägt Arndt sie neugierig. „Desota, Floridas Westküste, genau genommen aus Sarasota“. Fast wäre Arndt vom Stuhl gefallen, als er das hört und um nicht die Kontenance zu verlieren, trinkt er schnell einen Schluck. Man kann sich vorstellen, dass Arndt sehr viele Fragen hatte und der Abend für ihn und offensichtlich auch für Abigail, ein sehr Gelungener war. Sie haben sich ausgemacht genau in einem Monat, denn da würde sie wieder mit einer Reisegruppe auf Nordseetour sein und in Lübeck Zwischenstation machen, sich wieder hier in der „Dunkelkammer“ zu treffen. Dieser Monat war für Arndt gefühlt viel länger als die anderen Monate zuvor. Wer ist dieses Mädchen aus Sarasota mit der wunderbaren Stimme, diese Frage ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Endlich, der Monat ist vorbei und der besagte Abend steht vor der Tür. Bereits am Nachmittag hat er ein ausgiebiges Meeressonnenbad genommen und seine Beine und Krallen noch sorgfältiger eingecremt als sonst. Er kann es kaum erwarten bis es Abend wird. Nervös stolziert er in seinem Appartement hin und her, betrachtet sich im Spiegel, zupft mal hier und mal da an seinen Federn und probiert jede Sonnenbrille seiner Sonnenbrillenkollektion. Endlich ist es Abend, ein kurzer Blick in den Spiegel und los geht’s. Die Kellnerin führt ihn zum Tisch, den sie bereits vor einem Monat reserviert hatten. „Moin, moin, Arndt“. Da ist sie wieder, die wundervolle Stimme des wundervollsten Mädchens aus Sarasota, denkt sich Arndt und sein Möwenherz fängt an Kapriolen zu schlagen. Der Abend war, wie nicht anders zu erwarten, traumhaft und da Abigail das offensichtlich auch so empfand, war sie einem weiteren Treffen nicht abgeneigt, denn Arndt hat sie für den kommenden Abend zu sich nach Hause eingeladen. Er würde kochen, etwas ganz Exquisites, hatte er ihr versprochen. Den nächsten Tag verbrachte Arndt mit polieren seiner Wohnung und sich selbst. Mit Kochvorbereitungen, natürlich wird es seine Lieblingsspeise geben, Tintenfischlinguine mit Rahmsauce und zur Feier des Tages, mit Champignontopping und einer Prise Parmesan. Als Vorspeise frische Austern und als Nachspeise Schokoladenmousse aus der dunkelsten Schokolade die er bekommen konnte. Als Tischdekoration hat er noch schnell vom Markt schwarze und weiße Stockrosen besorgt und fein säuberlich in eine weiße Vase drapiert, die er gerade noch auf seinen schwarzen Granittisch stellen konnte, als es auch schon an der Tür klopft. Nervös setzt er seine stylishste Sonnenbrille auf, blickt kurz in den Spiegel und öffnet zaghaft die Tür. „Moin, moin Arndt, ich freue mich dich zu sehen“, englischt freudig Abigail und streckt ihm einen Strauß rosa Pfingstrosen entgegen. Gut, dass Arndt eine Sonnenbrille aufhat, so kann Abigail seinen erstaunten Blick nicht sehen. Freudig geht sie hinein und umarmt ihn mit einem Küsschen rechts und einem Küsschen links. Arndt aus seiner Starre erwacht hilft ihr, immer noch paralysiert von ihrem Anblick, aus ihrem rosa Mantel und hängt ihn an seine schwarze Garderobe. Er hat mit vielem gerechnet, aber mit einer Rosalöfflerin nicht, obwohl er weiß, dass Rosalöffler in Florida leben. „Du lebst aber ganz schön reduziert“, meint sie nur kurz. Arndt bittet sie Platz zu nehmen, schenkt ihr ein Glas Gänseblümchenwein ein und verschwindet mit den Worten „komme gleich“ in der Küche. Abwesend nimmt er eine schwarze Vase, gibt die Pfingstrosen hinein und stellt sie anschließend auf den Tisch neben sein schwarzweißes Arrangement. Er holt die vorbereiteten Austern aus der Küche, ein kleines Kännchen Zitronensaft, den er sich hatte frisch pressen lassen, um nicht von der Farbe Gelb belästigt zu werden, und bringt alles in sein Esszimmer. Komisch, dieses Rosa, aber irgendwie passt es als Farbtupfer gar nicht so schlecht in den Raum, denkt er sich noch als Abigail schon beginnt ihm munter von ihrem Tag mit der Reisegruppe zu erzählen. Sie unterhalten sich, wie die beiden Abende zuvor, köstlich und Arndt vergisst ganz, dass er rosa eigentlich gar nicht mag, denn Abigail mag er sehr.


Dienstag, 10.04.2018, 09:38

Etwas außerhalb der Stadt, im noblen Villenviertel rund um Nymphenburg, wohnt seit kurzem Valeria mit ihrem Frauchen. Sie sind aus der Stadt weggezogen und haben Herrchen und Gustav, den Kater, dort zurückgelassen. Valeria bedauert das sehr, nicht den Wegzug von Gustav, nein, jetzt hat sie eine Konkurrenz weniger, sondern sie hatte dort ihr Fell- und Krallenpflegeteam des Vertrauens und hier am Land weiß sie nicht was sie diesbezüglich erwarten würde. Bei der Herfahrt hat sie viele Katzen gesehen. Die sahen jedoch alle, so meint sie, etwas gewöhnlich aus, so gar nicht gestylt und bestimmt waren sie auch nicht parfümiert. Warum Frauchen ausgerechnet hierherziehen musste. So weit weg von der Zivilisation und den besten Katzensaloons. Valeria kann das nicht verstehen. Die Penthouseloft direkt in der Altstadt war doch formidable. Zugegeben, Gustav war zwar etwas nervig, aber man konnte sich gut aus dem Weg gehen. Wenn man wollte sah man sich auch mal eine ganze Woche nicht. Auch nicht bei den Mahlzeiten, denn diese nahmen sie mittlerweile getrennt zu sich. Valeria bevorzugt nämlich ausschließlich „Sheba de luxe für den verwöhnten Gaumen“. Gustav war da etwas einfacher gestrickt, ein Stück rohe Leber war ihm allemal lieber. Davor ekelte Valeria sich sehr und so konnte Gustav sie gut ärgern, indem er die Leber laut schmatzend vor ihren Augen verspeiste. Valeria empfand ihn und sein Verhalten richtig prollig und unschicklich. So gesehen ist Valeria jetzt froh ihn vom Hals zu haben. Valeria sitzt wieder einmal gelangweilt am Fenster und blickt in den Garten. So viel Grün hat sie zum letzten Mal beim Picknickausflug in Südengland gesehen. Schon damals hat sie feststellen müssen, dass Gras gar nicht so angenehm ist, wie alle behaupten. Warum die Menschen gerne ohne Schuhe im Gras herumlaufen, kann sie sowieso nicht verstehen, denn Gras kitzelt ganz furchtbar zwischen den Zehen und vor allem färbt es auf das Fell ab. Sie hatte tagelang grüne Pfoten und das sah gar nicht schicklich aus. Gähnend, denn im Garten ist so gar nichts los, nur der Wind bewegt ganz langsam die Äste der großen Buche, von links nach rechts und wieder zurück, sitzt sie am Fensterbrett. Die Hin- und Her Bewegung ermüdet Valeria noch mehr, denn die erinnert sie an ihre letzte Therapiesitzung bei ihrer Therapeutin, die zwecks Gustav unbedingt notwendig gewesen war. Sie verlässt ihren Fensterplatz, schlendert zur Couch und beschließt ein Nickerchen zu machen. Wenn das so weitergehen sollte, muss sie sich unbedingt etwas einfallen lassen, sie will auf keinen Fall zu dick werden, denn als Angoralanghaarkatze hat man es sowieso nicht leicht, denkt sie sich auf dem Weg zur Couch, legt sich hin und schläft prompt ein. Eines schönen Nachmittags, die Sonne scheint und die Vöglein zwitschern, beschließt sie die Terrasse zu erkunden. So schlüpft sie durch das Katzentürchen bei der Eingangstüre, springt vom Fußabtreter auf das Mäuerchen daneben und gelangt so, ohne die Wiese betreten zu müssen, auf die Terrasse. Auch hier ist nichts los. Noch hat ihr Frauchen kein Pölsterchen für sie hingelegt und so kann sie auch ein Sonnenbad schon einmal vergessen. Nur ein dicker Ast von der großen Buche hängt einladend auf den Terrassenboden. Valeria ist es richtig fad, denn sonst wäre sie gar nicht auf die Idee gekommen, denn sie beschließt den Ast als Leiter zu benutzen, um von ganz oben die allgemeine Lage zu überblicken. Der Ausblick aus dem Fenster der Loft hatte früher immer für Abwechslung gesorgt. Sie legt die Sonnenbrille ab und klettert schön langsam, Pfote für Pfote, den Ast entlang aufwärts. Gut, dass heute kein Wind geht, denkt sich Valeria, während sie immer weiter aufwärtssteigt. Es ist nicht mehr weit bis zum Ende des Astes, der in der Mitte des Baumes zum Stamm führt. Plötzlich bewegt sich etwas im Blattwerk und Valeria erschrickt so heftig, dass sie fast vom Baum gefallen wäre, als ein dickes Vögelchen plump direkt vor ihr auf dem Ast landet. Valeria ist so verdutzt, denn sie hat noch nie einen Vogel in freier Wildbahn so nahe gesehen. Sie kennt nur den Papagei der Freundin ihres Frauchens, der einmal für eine Woche lang auf Besuch bei ihnen war, während sein Frauchen nach Italien fahren musste. Mit dem hatte sie Spaß, denn der konnte nicht aus dem Käfig. Jetzt sitzt da einer direkt vor ihr, eine völlig surreale Situation die sie absolut überfordert. Valeria beschließt sich einfach Tod zu stellen und die Augen zu schließen. Vielleicht sieht er mich nicht, hofft sie. Insgeheim weiß sie aber, dass dieser Gedanke völlig absurd ist, aber es fällt ihr so schnell nichts Besseres ein. So schließt sie die Augen und hofft das Beste. Gefühlte fünf Minuten vergehen, Valerias linke Hinterpfote ist bereits eingeschlafen, öffnet sie blinzend ein Auge, um die Lage zu prüfen. Erleichtert stellt sie fest, dass der Vogel weg ist. Sie dreht sich um und läuft leicht hinkend, denn die linke Hinterpfote beginnt erst langsam wieder wach zu werden und das kribbelt ziemlich unangenehm, den Ast entlang zurück auf die Terrasse. Puh, noch einmal alles gut gegangen, denkt sie sich, setzt ihre Sonnenbrille wieder auf und schlendert betont lässig zurück durch das Katzentürchen in die Villa. Was für ein Abenteuer, denkt sie sich, Gustav würde staunen, wenn sie ihm erzählen könnte, dass sie einen Vogel ohne Käfig, in ganz echt, ganz nah, gesehen hat.